H. Theuerjahr
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Heinz Theuerjahr
(1913 - 1991)
Heinz Theuerjahr - Gedanken und Zitate
Über Waldhäuser 
Über Afrika 
Über das Abstrakte 
Über die Natur 
Über das Ziel 
Über das Motiv 
Über die Aufgabe

Die Äußerungen, die ich hier mache, betreffen in erster Linie mich selbst. Aber vielleicht haben sie gerade deshalb auch für den Bedeutung, der sich auf einen ähnlichen Weg begibt. Sicherlich ist keiner der Gedanken, die ich hier wiedergebe, neu. Im Gegenteil, sie sind uralt. Nur habe ich sie selbst noch einmal für mich gedacht. Ich habe sie aufgeschrieben, weil sie in unserer Zeit in Vergessenheit zu geraten scheinen. Man sollte sie nicht vergessen. 

Affe
Über Waldhäuser 

Waldhäuser, das ist für mich: die stille Zeit der Arbeit im Atelier, der weite Blick über die schönen Berge, der ein Gefühl von Ruhe und Freiheit vermittelt. Das ist das Geborgensein im Kreis der Familie und der Freunde - das sind die lauten Feste -. Das sind die weiten Wege durch den alten, stillen Wald mit den Gedanken bei der morgigen Arbeit - die Begegnung mit Menschen, die das sagen, was sie denken und die sich zu den Dingen, die sie sagen, eigene Gedanken gemacht haben. Das ist glitzernder Schnee ohne Spur und heulender Sturm, der die Bäume bricht. Geschütztes Land, dem Zugriff der Zivilisation entzogen, mit Tieren, die in diese Landschaft gehören und nicht fremd in ihr sind. - Das ist Ruhe, Arbeit, Geborgensein.

Über Afrika 

Afrika, das ist für mich: Herausgerissen sein aus aller Gewohnheit und Bequemlichkeit, das ist Anstrengung bis zur Erschöpfung aller physischen Kräfte. - Das ist fertig werden mit Unbekanntem, ausgeliefert sein einer Umgebung, die man nicht beherrrscht und der man deshalb unterlegen ist - das ist Abenteuer, der heiße Duft der trockenen Steppen und des Busches - knisterndes Feuer vor der Hütte oder dem Zelt - der Schrei der Tiere in der Nacht - das Sausen des Windes in der Wüste und die unbekümmerte, zu Herzen gehende Fröhlichkeit unkomplizierter Menschen. - Das ist Überleben wollen - alle Kräfte auf dieses eine ausgerichtet.

Über das Abstrakte 

Unter jedem guten Bild und unter der Oberfläche jeder guter Plastik liegt ein abstrakt gedachtes Konzept. Das Gegenstandslose in der Kunst ist nichts Neues. Es ist nur in unserer Zeit an die Oberfläche geholt worden. Ich kann in der Kunst nicht da anfangen, wo ein Künstler am Ende seines Lebens aufgehört hat. Ich meine Kandinsky. Sein Weg führte konsequent zur Abstraktion. Aber wieso führt der Weg so vieler Junger in unserer Zeit nun von diesem, seinem Endpunkt aus weiter? Da stimmt etwas nicht. Wenn ich mich finden will, muß ich alle Altersstufen bewußt durchleben. Das aber kann ich nicht, wenn ich mich am Anfang schon einem Rezept beuge. Ich verliere die Freiheit.

Vogel
Über die Natur 

Die Natur wiederholt sich nicht. Wenn ich mich an sie halte, ist die Gefahr, mich zu wiederholen, geringer, als wenn ich auf sie verzichte. 

Über das Ziel 

Ich will das, was andere immer wieder vor mir gestaltet haben, noch einmal machen. Aber es soll dann meine Handschrift tragen.

Über das Motiv 

Als Vincent van Gogh irgendeine banale Landschaft malte, schuf er die Welt neu. Das Motiv ist von untergeordneter Bedeutung.

Akt
Über die Aufgabe 

Einen Gegenstand nach seinem Wesen, nach der Natur, nach meiner Art und nach dem unveränderlichen Gesetz der Kunst gestalten. Die knappste Aussage ist die beste.