Hermann Erbe-Vogels UnterschriftHermann Erbe-Vogel auf der Bank vor dem Vogel - Häusl 1972

Hermann Erbe-Vogel  |  Einleitung

Der Maler Hermann Erbe-Vogel lebte von 1907 bis 1976. Er wurde in Hof an der Saale geboren. Seine Mutter und seine Großmutter erkannten seine künstlerische Begabung. Es war schwer, den ehrgeizigen und tüchtigen Vater, in dessen Betrieb der junge Mann als Kaufmann arbeitete, so weit zu bringen, daß er dem Wunsch des Sohnes nach einer Ausbildung als Künstlers zustimmte. In der Kunstgewerbeschule in Nürnberg, in der Kunstakademie Berlin, der Académie Ranson, Paris, und in der Akademie für bildende Kunst, München, erhielt Erbe-Vogel eine umfassende Ausbildung. Mit diesem Rüstzeug war er in der Lage, seinen eigenen Weg zu finden und unbeirrt weiterzugehen. Er kümmerte sich nicht um die Strömungen der Zeit. Die Reinheit und die Kraft seiner Farben, die Klarheit seiner Holzschnitte, die Einfühlsamkeit seiner Tusch- und Bleistiftzeichnungen künden von einem Künstler, der etwas zu sagen hatte, dessen Qualität an Emil Nolde, an Ludwig Kirchner und Max Beckmann heranreicht.

Er lebte im Bayerischen Wald, hatte die Einsamkeit gesucht und gefunden, brauchte, wie seine Kollegen Reinhold Koeppel und Heinz Theuerjahr, den finsteren Wald als Lebensumfeld, um seine Farben leuchten zu lassen, um die Mysterien des Waldes in seine Holzschnitte zu bannen, um die Kraft und Armut der Menschen dieses Landstriches in seinen Zeichnungen zu erfassen.

Hermann Erbe-Vogel war gesellig und doch lebte er mit seiner kleinen Familie einsam im bayerischen Wald. Er war im Grunde seines Herzens ein heiterer Mensch, der sich aber auch verschließen konnte, dem Schwermut nicht fremd war. Er war volkstümlich und visionär. Es war kein Zufall, daß er, ein Fremder, in seinen Werken die Kargheit

und Düsterkeit des Waldes, die Kraft und Empfindsamkeit seiner Menschen, ihre Sagen und Mythen, ihre Hoffnungen und ihre Verzweiflung so darstellen konnte, daß man sich beim Betrachten seiner Bilder dorthin versetzt oder mit den Menschen und dem Wald eines Sinnes fühlt. Er hat Großes geschaffen und blieb doch in der "Welt der Kunst" ein Unbekannter. Denn diese Welt ist blind und taub, wenn sich einer nicht rührt, wenn Wahrheit und Größe schweigsam bleiben. Sie bemerkt es nicht, wenn ein Künstler bescheiden ist und still und nicht schreit oder trommelt: "Seht her, ich bin's!" Auch hier eine Parallele zu seinem Kollegen Heinz Theuerjahr, der, wie Erbe-Vogel, viele Jahre im "Wald" lebte und arbeitete. Beide Künstler kannten sich gut, nicht nur aus der Donauwald-Gruppe, jeder schätzte die Kunst und die Fähigkeiten des anderen hoch ein. Jeder war auf seine Weise um Wahrheit in der Kunst bemüht. Jeder war von der täglichen Arbeit und dem Wunsch nach Anerkennung beseelt, der auch einen sehr materiellen Aspekt hatte, nämlich den des Überlebens. Sie waren sich räumlich nahe, doch ohne Auto war es eben nur selten möglich, sich zu sehen. Wie hätten sie einander auch helfen können? Und miteinander zu klagen, das wäre ihre Sache nicht gewesen. Beide hinterließen ein Werk, das die Welt erst noch für sich entdecken muß.

Hermann Erbe-Vogel war Mitglied der Donauwald-Gruppe. Er stellte allein und mit der Gruppe in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Jugoslawien und England aus.

Er starb, noch nicht siebzig Jahre alt, und wurde in Frauenau begraben, wo er das "Vogelhaus an der Häng" seit 1934 bewohnt hatte.